die parteiunabhängige initiative für eine stärkung direkter demokratie

Democracy International

Stellungnahme zivilgesellschaftlicher Organisationen zu regulatorischer Zusammenarbeit in TTIP

Stellungnahme zivilgesellschaftlicher Organisationen zu regulatorischer Zusammenarbeit in TTIP

03.02.2015

mehr demokratie! hat gemeinsam mit 160 anderen Organisationen eine Stellungnahme gegen die regulatorische Kooperation unterschrieben. Im Rahmen von TTIP sollen Regelungen mit Auswirkungen auf den transatlantischen Handel einer parlamentarischen Gestaltbarkeit weitestgehend entzogen werden. Ein 2-Minuten-Video beschreibt die Gefahren für die Demokratie anschaulich.

mehr demokratie! fordert über die Streichung der "regulatorischen Kooperation" hinaus eine Volksabstimmung über TTIP und ähnliche Abkommen. TTIP würde massive Veränderungen auf viele Interessen der Bürger_innen beiderseits des Atlantiks mit sich bringen. Dies bedarf aus Sicht von mehr demokratie! einer Zustimmung der Bevölkerung durch Volksabstimmungen.

Brüssel 3.2.2015. Wir, die Unterzeichner dieser Stellungnahme, bringen hiermit unsere große Besorgnis darüber zum Ausdruck, wie im TTIP-Freihandelsabkommen zentrale Regulierungen sensibler Bereiche, wie chemische Produkte, Lebensmittelstandards, öffentliche Dienstleistungen, Arbeitssicherheit oder die Regulierung der Finanzmärkte behandelt werden. Die EU-Verhandlungsführer haben bei zahlreichen Gelegenheiten betont, dass TTIP unsere Regulierungen und Standards nicht bedroht (1).

Das neu „geleakte“ EU-Verhandlungsdokument zu regulatorischer Zusammenarbeit in TTIP spricht allerdings eine andere Sprache und bestärkt unsere Vorbehalte (2). Der Vorschlag der EU-Kommission hat ein System zur Folge, das Regulierungen erschwert, da sie stets handels- und investitionskonform sein müssen. Auch der Einfluss von Unternehmenslobbyisten würde mit diesem Vorschlag noch weiter gestärkt. Dies wiederum erschwert künftige Regulierungsmaßnahmen. Zudem bekäme eine kleine Anzahl von nicht gewählten Beamten Einfluss und Macht über Regulierungsvorhaben, lange bevor Parlamente sie zu Gesicht bekommen. Das gefährdet unsere Demokratie.

Die Europäische Kommission spricht sich für eine stärkere Harmonisierung von Regulierungen zwischen Europa und den USA und wettbewerbsfördernde Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Handel aus. Eine Studie im Auftrag des Europäischen Parlaments von 2014 kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass stärkere Harmonisierung im Rahmen von TTIP zu sinkenden Standards führen könnte (3). Der EU-Verhandlungstext sieht vor, dass jeder neue handelspolitisch relevante Gesetzesentwurf durch Fakten oder wissenschaftliche Belege gerechtfertigt werden muss, wenn Unternehmenslobbyisten oder Regierungen dies einfordern. Außerdem beinhaltet der Vorschlag die Forderung der Industrie nach einem Gremium für regulatorische Zusammenarbeit. Damit entstünde ein Frühwarnsystem mit Möglichkeiten der Einflussnahme bei neuen Gesetzesinitiativen.

Ferner sieht der Vorschlag der EU-Kommission vor, dass Unternehmen aus den USA und Europa einen deutlich größeren Einfluss auf die Gesetzgebung in Brüssel, in den europäischen Hauptstädten, in Washington und in den US-Staaten nehmen als bisher. Dem Anschein nach hat die Europäische Kommission in vielen Punkten dem Druck der Unternehmenslobby nachgegeben, sie an Gesetzen mitschreiben zu lassen (4).

Der Vorschlag der Kommission für regulatorische Zusammenarbeit beinhaltet die Gefahr, Standards kurz- und langfristig auf beiden Seiten des Atlantiks zu senken. Das betrifft auch Standards der EU-Mitgliedsstaaten und der US-Staaten. Der Handlungsspielraum für demokratische Entscheidungen wird durch die Stärkung des Unternehmenseinflusses massiv eingeschränkt.

Beispielsweise zeigt eine Studie von CIEL, einer internationalen Organisation für Umweltrecht, vom Januar 2015, dass durch regulatorische Zusammenarbeit in TTIP eine Verbesserung des Schutzes vor giftigen Chemikalien und Pestiziden verzögert bzw. blockiert werden kann (5). Regulatorische Zusammenarbeit könnte außerdem einen Angriff auf das Vorsorgeprinzip darstellen. Sie öffnet langsam aber sicher die Türen dafür, genetisch veränderte Organismen, Nanopartikel und endokrine Disruptoren auf den Markt zu bringen (6a 6b 6c 6d).

Deshalb fordern wir die Verhandlungsführer auf beiden Seiten dazu auf, regulatorische Zusammenarbeit aus den TTIP-Verhandlungen zu streichen.

 

ACEP - Associação para a Cooperação Entre os Povos (Portugal)
Action for Breast Cancer Foundation (Malta)
ActionAid
Afri (Action from Ireland)
Afrika Kontakt (Dänemark)
AITEC (Frankreich)
Alliance D19 D20 (Belgien)
Alliance for Cancer Prevention (Großbritannien)
Alternatiba Eraikitzen
Alter Summit
Les Amis de la Confédération paysanne (Frankreich)
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) (Deutschland)
Associação de Combate à Precariedade - Precários Inflexíveis (Portugal)
ATTAC Österreich
ATTAC Bizkaia (Spanien/Baskenland)
ATTAC Dänemark
ATTAC Frankreich
ATTAC Deutschland
ATTAC Griechenland
ATTAC Ungarn
ATTAC Irland
ATTAC Portugal
ATTAC Spanien
Biofuelwatch, Großbritannien/USA
Both ENDS
Breast Cancer Großbritannien
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) (Deutschland)
Campaign for Real Farming (Großbritannien)
The Cancer Prevention & Education Society (Großbritannien)
CEE Bankwatch Network (Tschechische Republik)
CEIM (Centro de Estudios e Investigación sobre Mujeres) (Spanien)
Center for Encounter and active Non-Violence (Österreich)
Center for Environmental Information and Education (CEIE) (Bulgarien)
Center for Sustainable Development of the Mountain (Bulgarien)
Center for Transport and Energy (CDE) (Tschechische Republik)
CHEM Trust (Großbritannien)
CIEL
CIG - Confederación Intersindical Galega
Collectif anti-gaz de schiste de Clapiers (Frankreich)
Collectif citoyen IDF Non aux pétroles et gaz de schiste et de couche (Frankreich)
Collectif  d'action contre l'accord général pour le commerce des services (LoupianBouzigues, Frankreich)
Collectif Roosevelt (Frankreich)
Compassion in World Farming (EU)
Confederacion Intersindical (Spanien)
Confédération Paysanne (Frankreich)
Corporate Europe Observatory (EU)
CNCD-11.11.11 (Centre National de Coopération au développement) (Belgien)
Danish Eco Council
Earth Open Source (Großbritannien)
Ecologistas en Acción (Spanien)
Ecoforum for Sustainable Development Association (Bulgarien)
EcoNexus (Großbritannien)
Economistas sin Fronteras (Spanien)
ECOS (EU)
Ecoworld Rhodopes (Bulgarien)
ELA (Spanien/Baskenland)
ENSEMBLE! (Frankreich)
Entrepueblos/Entrepobles/Entrepobos/Herriarte (Spanien)
Esperanto Radikala Asocio Onlus (Italien)
Estonian Seamen's Independent Union
EUrope NEWnited Serviceteam (EU)
European Federation of Building and Wood Workers (EFBWW)
European Federation of Journalists (EFJ)
European Federation of Public Service Unions (EPSU)
European Information-Human Rights Center (EIHRC)
European Transport Workers? Federation
Fair Trade Hellas (Griechenland)
Fairwatch (Italien)
Federazione Organismi Cristiani Servizio Internazionale Volontario,
FOCSIV (Italien)
Finance Watch
Finnish NGDO platform to the EU
Finnish TTIP Info Network
Finnwatch (Finnland)
Forum Unwelt und Entwicklung (Deutschland) Food & Water Europe foodwatch
Foundation for Ecological Education and Training (Bulgarien)
Foundation for Environment and Agriculture (FEA) (Bulgarien)
Fracking Free Ireland
France Amérique Latine (FAL)
France Nature Environnement
Friends of the Earth Austria (GLOBAL 2000)
Friends of the Earth Bulgaria - For the Earth (Za Zemiata)
Friends of the Earth Czech Republic (Hnuti Duha)
Friends of the Earth England, Wales and Nordirland
Friends of the Earth Estonia - Estonian Green Movement (ERL)
Friends of the Earth Europe
Friends of the Earth Frankreich
Friends of the Earth Hungary (Magyar Természetvédok Szövetsége (MTVSZ)
Friends of the Earth - CEPA (Slovak Republic)
Future for Borino (Bulgarien)
GAIA - Grupo de Acção e Intervenção Ambiental (Portugal)
Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN)
Global Justice Now (Großbritannien)
GMWatch (Großbritannien)
GRAIN
Green Action (Kroatien)
Green Institute (Griechenland)
HEAL (EU)
Highlands and islands against fracking (Großbritannien)
IBD Initiative Bürger für Demokratie (Deutschland)
Initiativ Liewensufank  a.s.b.l. (Luxemburg)
Inititative K136 (Griechenland)
Inter-Environnement Wallonie (Belgien)
Iuridicum Remedium (IuRe) (Tschechische Republik)
Keep Ireland Fracking Free
Latvian Green Movement (Lettland)
Lithuanian Seamen's Union
LobbyControl (Deutschland)
May Day (Dänemark)
Mehr demokratie! Deutschland
Mehr demokratie! Österreich
Mujeres de Negro contra la guerra (Spanien)
Munich Environment Institute (Umweltinstitut München e.V.)
NABU e.V. (Deutschland)
National Justice & Peace Network (England & Wales)
Not For Shale Ireland
Observatory on Debt in Globalisation (Debtwatch) (Spanien)
ÖBV-Via Campesina Österreich
Oikos - Cooperação e Desenvolvimento (Portugal)
PAN Europe
Plataforma Não ao Tratado Transatlântico (Portugal)
Platform Aarde Boer Consument (Niederlande)
Polish Green Network (Polen)
PowerShift e.V (Deutschland)
Pro Ethical Trade Finnland
The Puntarji - movement for active citizenship (Slowenien)
Quaker Council for European Affairs
Quercus ? National Association for Nature Conservation (Portugal)
Réseau Environnement Santé  (Frankreich)
Seaports NSZZ Solidarnos'c' (Polen)
Seeds Action Network - SAN Deutschland
SIndikat zerjavistov p.d. - Luka Koper (Slowenien)
Social Europe Malta - Front Against TTIP
Solidarity and Cooperation CIPSI (Italien)
Solidary Bulgarien
Stichting Schaliegasvrij Nederland (Shale-gas free Niederlande)
StopTTIP UK
SumOfUs
Sussex Against TTIP
Terra Nuova (Italien)
Transform! Europe
Transnational Institute (Niederlande)
UK National Hazards Campaign
UNI Europa
Union syndicale Solidaires (France)
USO (Spain)
VHUE e.V. (Deutschland)
War on Want (Großbritannien)
WECF Deutschland
WECF Frankreich
WECF Niederlande
WEED - World Economy, Ecology & Development (Deutschland)
Werkstatt Ökonomie Heidelberg (Deutschland)
WIDE+ (Europe)
Women?s International League for Peace and Freedom Netherlands (WILPF NL)
Xnet, Spanien
ZALI.LT (Litauen) 

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